Eres Holz

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Vier Schatten (2013)

für Blechbläserquintett

Verleger: Edition Plante

Kompositionsauftrag des Berliner Senats 2013

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Auszeichnung beim 13. Kompositionswettbewerb um den Carl von Ossietzky-Preis der Universität Oldenburg
2014


Ensemble Schwerpunkt

Matthew Brown, Matthew Sadler - Trompeten
Cecilie Marie Schwagers - Horn
Mikael Rudolfsson - Posaune
Janne Jakobsson - Tuba

Dank an Martin Daske für die Aufnahme

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27. April 2016

Alte Spohnhalle in Ravensburg, Deutschland

ars nova

Bernd Künzig

Ensemble Schwerpunkt


der titel vier schatten ist vom 6. kapitel der offenbarung des johannes die vier apokalyptische reiter inspiriert. das stück ist eine dramatische reise in vier teilen in den niedergang zum tod. statt vortragsbezeichnungen verwende ich zitaten verschiedener autoren u.a. von antoine de saint-exupéry.

zur klangtechnik:

in manchen stellen ist der erste stimmzug der beiden trompeten abgenommen. dadurch werden manche töne in der chromatischen skala klanglich betroffen. töne mit den griffen 1, 12, 13 oder 123 erklingen durch den trichter nicht, sondern durch die rohröffnung des ersten stimmzuges. diese technik hat zwei folgen, zum einen wird der klang dadurch schwach, dünn und instabil, zum andern ist der klangschall im gegenteil zum trichter nach hinten gerichtet.

bei der suche nach poetischer wirkung setze ich diese art der dekonstruktion der instrumente als konstruktives mittel ein. diese technik hat z.b. im höhepunkt des stücks den effekt, dass dem zuhörer statt zwei trompetenklänge (links und rechts) quasi VIER verschiedene klangpositionen im raum erschließen: zwei direkte klänge der zwei trompeten mit der tonhöhe g' (griffe 0 und 3, links und rechts), und zwei indirekte klänge auch mit der tonhöhe g' (griff 12, links und rechts). die oszillation zwischen links und rechts (direkter klang), vorne und hinten (indirekter klang) mit der gleichen tonhöhe g' schafft eine kreisende klangliche bewegung im raum. der akustische raum wird in dem moment größer als vorhin. nach dieser dramatischen stelle endet das stück mit dem choral des todes.

letzte zitat: nun ist es zeit wegzugehen: für mich, um zu sterben, für euch, um zu leben. wer von uns dem besseren entgegengeht, ist jedem verborgen. (sokrates)

Bläsern die Flüstertöne beigebracht

Einen Höhepunkt des Konzerts bildete die Komposition von Eres Holz, der an diesem Abend dabei war und im Vorfeld eine Einführung in sein Werk gab. Zu dem Titel Vier Schatten wurde der junge Komponist durch die vier apokalyptischen Reiter aus der Offenbarung des Johannes inspiriert. Er baut das Stück als eine dramatische Reise in den Tod auf.

In seiner Musik kommt es Eres Holz auf eine harmonische expressive Sprache an. Um eine poetische Wirkung zu erzielen, nimmt er sogar eine Dekonstruktion der Instrumente vor. So hat er an manchen Stellen den ersten Stimmzug der beiden Trompeten abgenommen Durch diese Art von Handwerk, verbunden mit seiner Dramaturgie, will der Komponist den Zuhörer besonders tief berühren. Das ist ihm gelungen, was der begeisterte Beifall bestätigte.

So wie dieses Stück fand das gesamte Konzert große Zustimmungen bei der Gästen, so dass der Beifall den Eindruck vermittelte, es seien doppelt so viele Besucher in der Scheune. Man musste nicht unbedingt mit dieser Sparte der Musik vertraut sein, um mit den fünf Musikern und ihren Interpretationen einen ereignisreichen Abend zu verleben. Das Spektrum von Klangmöglichkeiten, die die jungen Künstler mit ihren Blasinstrumenten ausschöpften, beeindruckte.


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