Eres Holz

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Zweifelnde Suchbewegungen

Vom Computer gesteuerte mathematische Logik dient der Musik des 1977 in der Nähe von Tel Aviv geborenen Komponisten Eres Holz als Grundlage. Doch es geht in seinen Werken ebenso darum, genau diese Logik zu durchbrechen.

In Kompositionen wie dem Quintett (2009) oder dem Ensemblestück "Kataklothes" (2015) versucht Holz von einem Standpunkt technischer Avanciertheit aus die musikalische Tradition einzuholen: tonale Gravitation ohne Tonalität. Auch für Sarah Nemtsovs MEKOMOT-Projekt, das mit Neuer Musik und liturgischen Gesängen alte und neue Synagogen, vergessene und gegenwärtige Orte jüdischen Lebens zum Klingen bringt, hat Eres Holz einen Beitrag geleistet. Er wählte mit Allen Ginsbergs großem Kaddisch-Poem einen Text, der in einem deutlichen Spannungsverhältnis zur religiösen Tradition steht. Die zweifelnde, skrupulöse Suchbewegung im "Labyrinth der Identität", die Eres Holz dem Text ablauscht, treibt möglicherweise auch sein eigenes Schaffen an.


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Ingo Dorfmüller

Atelier neuer Musik, Deutschlandfunk (DLF)

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Köln 2016

Neue Musik in ihrer ganzen Verschiedenheit: Ultraschall Berlin 2016

Die Musik des gebürtigen Israelis Eres Holz, eines ehemaligen Schülers von Hanspeter Kyburz, zählt zu den spannendsten Entdeckungen, die man bei "Ultraschall" machen konnte. Holz sucht nach einer harmonischen Verbindlichkeit jenseits der Dur-Moll-Tonalität. Das Ensemblewerk "Kataklothes" von Eres Holz exponiert eine Akkordverkettung, deren Fortschreiten zugleich eigentümlich logisch und offen wirkt: genauso wie der Lebensfaden, den die altgriechischen Moiren - auf die der Titel anspielt - spinnen. Entstanden ist eine ungeheuer farbige und plastische Musik, die Harmonie als ein sich beständig wandelndes Phänomen erfahrbar macht, als etwas, das nicht statisch, sondern in sich beweglich ist.


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Julia Spinola

Ultraschall: Festival für zeitgenössische Musik, Deutschlandfunk (DLF)

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Berlin 2016

Klangredlich bis infernalisch

Das Quintett des Israeli Eres Holz überzeugt nicht nur durch seinen Verzicht auf einen aufgeblasenen Titel, sondern durch seinen geschmeidigen, sehr homogenen Klang – man meint, den Geist des Madrigalgesangs zu spüren, von dem der erfahrene Chorsänger Holz schwärmt. Holz‘ neues Werk Kataklothes bezieht sich auf eine homerische Bezeichnung für die Moiren und spinnt tatsächlich, als wär’s Gesualdo, einen Klang aus dem anderen; keinen Moment verliert der Konzertgänger das Interesse.


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HUNDERT11

Ultraschall: Festival für zeitgenössische Musik, Deutschlandfunk

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Berlin, 2016

Eres Holz: Quintett (2009) für Flöte, Klarinette, Viola, Klavier und Harfe

Die erwähnte "Tonikalität", den Eindruck eines tonalen Zentrums, versucht er durch bestimmte Techniken jenseits der Prinzipien von Dur-Moll-Kadenzen erfahrbar zu machen. Der Zentralton fis im Quintett wird strukturell mit verschiedenen Mitteln bestätigt, etwa durch regelmäßige Wiederholungen dieses Tons oder satztechnisch durch Verdoppelung des Tons in den Stimmen und durch die Assoziierung dieses Tons mit einer bestimmten Akkordkonfiguration. Steigerungspassagen, Spannungsfelder und Bewegungen in höhere Register werden als Strategien zur Erzielung einer bewusst verfolgten musikalischen Dramatik eingesetzt. Dadurch gelingt eine fortwährend in Spannung und Auflösung begriffene Entwicklung, die expressive Gesten hervorbringt. Strukturelles Rückgrat der Komposition ist eine harmonische Progression, die Eres Holz als „Choral“ bezeichnet und die sich wie historische Vorbilder – ohne jedoch konkrete Stilzitate zu verwenden – tatsächlich in einem vierstimmigen Stimmsatz bewegt. „Ich glaube, bei meinem Stück spürt man natürlich diese Tradition“, sagt Eres Holz im Interview für Ultraschall Berlin.


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Eckhard Weber

Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB)

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Berlin, 2015

Eres Holz: Quintett (2009) für Flöte, Klarinette, Viola, Klavier und Harfe

Eres Holz's Quintett (2009) for flute, clarinet, viola, piano and harp (conducted by Titus Engel) starts with an elegant sparsity of texture, a feeling of fragments linking into a whole. Not for the last time on the disc I thought of the influence of Pierre Boulez, with Messiaen perhaps in the background. Whilst there are some interestingly dense moments, a characteristic of the performance is the great clarity which the players bring to the music, clarity and elegance. And the piece finishes as mysteriously as it starts.


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Robert Hugill

Planet Hugill - A world of classical Music

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2017

Eres Holz: Quintett (2009) für Flöte, Klarinette, Viola, Klavier und Harfe

Holz etwa schafft in seinem Quintett für Flöte, Klarinette, Viola, Klavier und Harfe (2009) tonale Gravitationsfelder jenseits der Dur-Moll-Harmonik und untersucht die Möglichkeit der Erzeugung von Spannungen und Tendenzen zur Auflösung – mithin also Kennzeichen, die für die musikalische Rhetorik von großer Bedeutung sind.


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Stefan Drees

das Orchester

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06/2017

Eres Holz: Quintett (2009) für Flöte, Klarinette, Viola, Klavier und Harfe

Das Quintett (2009) von Eres Holz gibt sich als ein fast gediegen elaboriertes Ensemblestück mit komplexen Stimmbewegungen, die farbig zusammenfließen und wieder auseinanderdriften.


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Dirk Wieschollek

Neue Zeitschrift für Musik

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05/2017

Eres Holz: Kataklothes (2015) für großes Ensemble

Wechselwirkungen von Harmonik und Melodik untersucht Eres Holz in seinem neuen Ensemblestück Kataklothes. Das altgriechische Wort Kataklothes bedeutet „Zuspinnerinnen“ und bezieht sich auf die Moiren, in der antiken Mythologie die drei Schicksalsgöttinen, die den Lebensfaden für den Menschen knüpfen. Kataklothes als Bezeichnung für die Schicksalsgöttinnen verwendet Homer beispielsweise in der Odyssee. Das Bild des Lebensfadens ist passend für die Komposition von Eres Holz: Er erstellt darin als durchgehenden Faden eine Verkettung harmonischer Sequenzen. Wie in seinem Quintett verläuft auch hier die harmonische Progression im Sinne eines fortschreitenden „Chorals“, dessen fließender Stimmverlauf jeweils neue Akkorde bildet. Der harmonische Faden wird gewissermaßen immer weitergesponnen. Sobald sich die Harmoniefolgen etabliert haben, setzen Verschiebungen ein, der Verlauf wird rhythmisch komplexer, die Entwicklung spielerischer und belebter.


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Eckhard Weber

Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB)

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Berlin, 2015

Eres Holz: Kataklothes (2015) für großes Ensemble

Der Titel von Holz's Kataklothes (2015) ist ein altgriechisches Wort, es bedeutet „Spinnen“ und bezieht sich auf die drei Göttinnen, die den Faden des Lebens spinnen. Holz verwendet eine Gruppe von harmonischen Sequenzen als Faden durch das Stück. Geschrieben für Flöte, Klarinette, Saxophon, Harfe Klavier, Schlagzeug, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass (geleitet von Titus Engel), öffnet es sich mit einem dramatischen Ausbruch und beruhigt sich dann allmählich, obwohl die Harmonien ziemlich dicht sind. Eruptionen und Störungen tauchen ab und zu. Es gibt sehr viel Sinn für die melodische Linien, die unabhängig voneinander arbeiten, jeder mit seiner eigenen Logik, und wie in seinem Quintett (2009) gibt es einen Gebrauch von Spärlichkeit und Stille.


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Robert Hugill

Planet Hugill - A world of classical Music

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2017

Eres Holz: Kataklothes (2015) für großes Ensemble

Bedeutend extrovertierter: Kataklothes (2015), das mit schriller Expressivität und schreienden, grellen Farben Zustände tumultartiger Chaotik ausgeprägt. Ein sehr intensives Stück mit viel Perkussion, dissonanten Verdichtungen und volksmusikalischen Valeurs, als würden die Schicksalgöttinnen der antiken Mythologie hier direkt die Fäden ziehen


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Dirk Wieschollek

Neue Zeitschrift für Musik

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05/2017

Das Wachstumprinzip von L-Systemen in der Musik von Hanspeter Kyburz

Die Hörwahrnehmung eines Prozesses im Sinne von Abwechslung zwischen Stabilität und Instabilität der Musterverkettung, die oft eine große Rolle in Kyburz’ Musik spielt, würde im Fall eines ähnlichen Charakteristikums der Objekte undeutlich sein. Es könnte irgendein Muster wahrgenommen werden, das aber mit der Musterstruktur des Prozesses nicht zusammenfällt. Um die Überraschungsmomente, die durch Abwechslung zwischen stabiler- und instabiler Musterstruktur verursacht werden, als unchaotisches Organismusverhalten wahrnehmbar machen zu können, binden die Tonbeziehungen des Tonkernes die Gesamtheit der Objekte zusammen (ähnlich wie die Reihe bei Arnold Schönberg).


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Eres Holz

Auschnitte aus meiner Masterarbeit

Berlin, 2012

Bläsern die Flüstertöne beigebracht

Einen Höhepunkt des Konzerts bildete die Komposition von Eres Holz, der an diesem Abend dabei war und im Vorfeld eine Einführung in sein Werk gab.
Zu dem Titel Vier Schatten wurde der junge Komponist durch die vier apokalyptischen Reiter aus der Offenbarung des Johannes inspiriert. Er baut das Stück als eine dramatische Reise in den Tod auf.

In seiner Musik kommt es Eres Holz auf eine harmonische expressive Sprache an. Um eine poetische Wirkung zu erzielen, nimmt er sogar eine Dekonstruktion der Instrumente vor. So hat er an manchen Stellen den ersten Stimmzug der beiden Trompeten abgenommen Durch diese Art von Handwerk, verbunden mit seiner Dramaturgie, will der Komponist den Zuhörer besonders tief berühren. Das ist ihm gelungen, was der begeisterte Beifall bestätigte.

So wie dieses Stück fand das gesamte Konzert große Zustimmungen bei der Gästen, so dass der Beifall den Eindruck vermittelte, es seien doppelt so viele Besucher in der Scheune. Man musste nicht unbedingt mit dieser Sparte der Musik vertraut sein, um mit den fünf Musikern und ihren Interpretationen einen ereignisreichen Abend zu verleben. Das Spektrum von Klangmöglichkeiten, die die jungen Künstler mit ihren Blasinstrumenten ausschöpften, beeindruckte.


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Donata Holz

Worpsweder Musikherbst

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Worpswede, 2014